Ton mit Haltung
- vor 7 Stunden
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Zum Internationalen Frauentag rücken wir eine Frau in den Mittelpunkt, die mit Herz, Haltung und Ton arbeitet: unsere Keramikerin Sophia Roitmair.
In ihrer Werkstatt im Mostviertel entstehen nicht nur kunstvolle Objekte, sondern auch klare Botschaften – über Freiheit, Gleichheit und die Kraft, den eigenen Weg zu gehen.
Im Gespräch erzählt Sophia, warum sie sich für das Handwerk entschieden hat, was sie antreibt, und wie ihre Arbeit zu einem Ausdruck von Haltung und Hoffnung wird.

Magst du dich kurz vorstellen und erzählen, was du machst?
Hello ihr Lieben, natürlich! Mein Name ist Sophia Roitmair. Ich lebe mit meinem Mann und meiner Tochter im schönen Mostviertel und betreibe seit 2018 eine Töpferei. Für ein paar Stunden die Woche unterrichte ich Kinder und Jugendliche in einem Kunstfach an Musik & Kunstschulen in Niederösterreich.
Wie würdest du deine Arbeit in drei Worten beschreiben?
Handwerk – Kreative Erfüllung – Matschige Ton Hände …immer….;)
Was hat dich ursprünglich dazu bewegt, dich als Keramikerin selbstständig zu machen?
Die Leidenschaft für das Handwerk. Mein Wille und Durst nach Freiheit und Autonomie und schließlich auch meine Tochter. Ich wollte immer etwas „arbeiten“ das mich erfüllt, glücklich macht und sich mit meiner Familie vereinbaren lässt. Ich bin auch ein Mensch der sich ganz schwer unterordnen kann. So war mein Weg in die Selbstständigkeit unausweichlich ;)
Gibt es einen Moment im Prozess, den du besonders liebst?
Ich mag tatsächlich (fast) alle Arbeitsschritte. Aber wenn es den einen Moment gibt, den ich besonders mag, dann ist es der erste morgendliche Gang in meine Werkstatt. Wenn die Sonnenstrahlen meine Arbeitstische in dieses warme Licht tauchen, dann spüre ich eine tiefe Ruhe in mir und gleichzeitig den Zauber vom Anfangen. Ich kreiere gerne und liebe die Momente des Tuns. Am Ende ein fertiges Produkt zu haben ist natürlich auch toll, aber der Prozess des „Entstehens“ mit all seinen Facetten, also der Herstellungsprozess selbst, dass ist es was ich wirklich an meiner Arbeit liebe!
Was hast du über dich selbst gelernt, seit du diesen Weg gehst?
Dass auch ich ein geduldiger Mensch sein kann. Ich habe gelernt, dass ich mir, meiner Intention und meinen Fähigkeiten vertrauen kann. Ich habe gelernt, dass der erste Schritt der entscheidende ist. Das „Laufen“ kommt dann von ganz alleine. Mutig sein, an sich Glauben, zahlt sich immer aus! Und bleibe dir und deinen Werten selber Treu!
Und ich lerne immer noch. Gerade bin ich dabei zu lernen, dass ich Hilfe annehmen darf!
Wer oder was inspiriert dich in deinem kreativen Weg?
Ton und Natur selbst inspiriert mich. I mean, es sind gesteinsbildende Mineralien. Ton kommt überall auf der Erde vor und wird durch das Feuer fest. Wie geil ist das denn bitte? Ich muss mich an der Stelle kurz halten sonst quatsch ich die nächsten 3 Stunden über das älteste Handwerk der Welt, Mineralien, wo du Feldspat (Gestein) in meiner Gegend finden kannst um Ton selber auszugraben und, und, und…
Es sind einfach so viele Möglichkeiten! Die Ideen, mich kreativ auszutoben, gehen nie aus. Es gibt für mich in der Keramik noch so viel zu lernen. Diese Neugierde auf das Material wird immer stärker. Was kann ich noch alles probieren, lernen, entstehen lassen? Wahrscheinlich bräuchte ich drei Leben um diesen Wissensdurst für die Welt der Keramik zu stillen. Also drückt mir die Daumen, dass ich auch mit 100 Jahren noch töpfern kann ;)
Gibt es ein Projekt, das dir besonders am Herzen liegt?
Ja, meine „Statement Cups“.
Das sind handgemachte Becher mit klarer Botschaft darauf. Mir geht es bei den „Statement Cups“ auch immer darum wichtige gesellschaftspolitische Themen sichtbar zu machen. Wie zum Beispiel bei meinen Bechern mit dem „FCK NZS“ (Fuck Nazis) Schriftzügen darauf. Es geht klar darum Haltung zu zeigen!
Oder auch die Becher mit den Brüsten darauf. Diese sind versehen mit diversen „Statements“. Wie zum Beispiel: „Feministin“, „Smash the Patriarchy“ oder „My Body my Rules“. Hier steht im Vordergrund Frauen zu ermutigen, zu sich selbst zu stehen und sich im Kampf gegen das Patriarchat zu verbünden. Ja, mir geht es um Aktionismus. Die Becher sollen uns bestärken aktiv zu bleiben. Ich möchte keine 300 Jahre mehr warten müssen bis wir endlich Gleichstellung erfahren. Ich möchte, dass jedes Mädchen und jede Frau auf der Welt, die gleichen Chancen wie ein Mann bekommt. Und ohne Angst, dafür in Freiheit und in Würde leben kann!
Übrigens spende ich jedes Jahr einen Teil der Einnahmen von den „Statement Cups“. Egal ob für den Kinderschutz, an die autonomen Frauenhäuser und andere wichtige soziale Einrichtungen. Ich unterstütze auch Umwelt und Tierschutzprojekte! Es gibt überall so viel zu tun. Unterstützung und Aktivismus gehören einfach zu meinem Leben!
Welche Werte sind dir besonders wichtig?
Gleichheit, Freiheit, Toleranz und Mitgefühl.
Wenn du dir wünschen könntest, was der Internationale Frauentag bewirken sollte – was wäre das?
Vor allem Frieden und Sicherheit für all die vielen jungen Kinder/Mädchen auf der ganzen Welt, die tief patriarchalen, gewalttätigen und missbräuchlichen Strukturen ausgesetzt sind! Es blutet jeden Tag mein Herz, wenn ich sehe was alles auf der Welt mit unserem Geschlecht passiert. Darum ist es so wichtig, dass wir einander die Hand reichen, aktiv bleiben, klar und stark Haltung zeigen!
Danke Sophia für deine Zeit, deine Offenheit und dein Handwerk. Und danke an alle Frauen*, die mit dem, was sie tun, täglich Spuren hinterlassen.
Dieses Interview erinnert uns daran, warum wir Green Mind Label gegründet haben: um Frauen* und ihre Arbeit sichtbar zu machen – ehrlich, wertschätzend und auf Augenhöhe.
Wer sich von Sophias Worten und ihrer Haltung angesprochen fühlt, kann ein Stück davon zu sich nach Hause holen: Ihre Boobie Cups gibt es bei uns im Onlineshop.
Photos by Christina Wimmer & Sophia Roitmair




















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